Eine unanständige Frage

Bist du arm oder bist du reich?

 

Ich beäuge den Menschen, der mir diese Frage gestellt hat, skeptisch. Er sieht nicht so arm aus, dass er mich um einen Euro anhauen wollte, aber auch nicht so gestriegelt, dass ich denke, er könnte an mein Gespartes heran wollen und mir eine ‚günstige Anlagemöglichkeit‘ verkaufen. Ich weiche aus.

Was geht’s dich an?

Die Frage nach dem Reichtum ist persönlicher, als irgendeine andere Frage. Deswegen reagieren darauf viele Menschen empfindlich. Sie sehen auf ihr Bankkonto und hoffen, dass am Ende dieses Geldes nicht soviel Monat übrig ist. Wenn ein Geld über bleibt, freut mensch sich, trägt es in irgendwelche Bars und setzt es in Alkohol um. Dabei findet man dort nicht das Glück, welches man sich mit seinem Geld zu erkaufen hofft. Denn Geld macht nicht glücklich. Wir alle wissen das und rennen ihm dennoch hinterher.

 

Geld ist nicht alles – Geld ist nichts

 

Geld ist ein Tauschmittel, dass nur den Wert hat, den wir ihm beimessen. So gesehen ist Geld nichts. Wenn du mit einer Truhe Geld auf einer einsamen Insel festsitzt, begreifst du das sofort. Geld kann man nicht nur nicht essen, mit Geld kann man auch nicht kuscheln oder reden.

Was sind also meine Grundbedürfnisse?

Wie erfülle ich mir diese direkt, nicht über den Umweg Geld.

 

Ich lebe in einer Gemeinschaft und da befragte mich unlängst eine Studentin für ihre Arbeit mit dem Thema: ‚Objektive Armut bei subjektivem Reichtumsempfinden‘

Ich musste gleich antworten, ich kann zwar nichts zur objektiven Armut sagen, aber viel zum subjektiven Reichtumsempfinden.

 

Wenn ich sagen würde wieviel Geld auf meinem Konto ist, würden mich viele als arm bezeichnen. Aber mein Leben ist reich und zwar mehr als ich mir mit Geld jemals kaufen könnte.

Ich habe Kontakte, Nähe und Heimat, empfinde Geborgenheit, Freundschaft und Liebe und habe damit in meiner Gemeinschaft alles, was ich brauche. Es ist noch nicht alles so, wie ich es mir wünsche. Es gibt auch Auseinandersetzungen, aber für mich gehört das zu einem reichen Leben dazu. Arm würde ich mich fühlen, wenn ich mich in meinem Leben mehr darum gekümmert hätte Massen an Geld anzuhäufen, anstatt mich um meine wirklichen Bedürfnisse zu kümmern.

Es hat noch niemals jemand auf dem Sterbebett gesagt, ich habe zu wenig Geld verdient. Alle sagen, ich hätte gerne mehr Zeit mit meiner Familie, mit meinen Freunden verbracht.

Ich habe für mein Leben einen reichen Platz gewählt, an dem ich meine Lebensfreude und Kreativität mit anderen Menschen teilen kann. Natürlich trinke ich gern auch mal ein Gläschen Wein dazu, aber ich muss nicht, weil mein Leben sowieso schon berauschend genug ist. In diesem Sinne bin ich vielleicht noch nicht wirklich reich, aber auf dem besten Wege dorthin und alles andere als Arm – weder objektiv noch subjektiv – auch wenn ich nur wenig Geld habe.

Übrigens wenn man den Vergleich zur gesamten Welt nimmt, bin ich, auch was das Geld angeht, ziemlich reich.


Du kannst alles erreichen was du willst ...
Es mag allerdings sein, dass du dich dafür anstrengen musst.

Last update: 7.9.2017